Rückblick 2008  

November 2008

Im Mai 2008 berichteten wir über unsere neue Zusammenarbeit mit dem Inspektor unseres Schulkreises. Es gibt inzwischen viele Neuigkeiten, über die wir hier berichten wollen.
Noch im Mai besuchten wir zusammen mit unserem Inspektor, Keith Mumba Sanzila ein anderes Inspektorat in der etwa 500 km westlich von Rundu gelegenen Omusati Region, wo Interteam Fachleute seit Jahren erfolgreich mit einem sehr initiativen Inspektor zusammen arbeiten; messbare Resultate liegen vor. Es gab einen sehr interessanten Austausch auch zwischen den beiden namibischen Vertretern und wir kehrten nach drei Tagen mit vielen guten Anregungen im Gepäck in unser Arbeitsfeld zurück.
Mr Sanzila hat inzwischen schon einiges angepackt. Er begann sein Inspektorat zu reorganisieren, versucht verlässliche Daten über seine Lehrkräfte zu erheben, so zB ob ihr Einsatz ihrer Ausbildung entspricht, wie oft sie während eines Schuljahres entschuldigt oder unentschuldigt gefehlt haben, wie hoch ihre Arbeitsauslastung ist. (Hier gibt es eben vollen Lohn, auch wenn mensch nur gut ein halbes Pensum unterrichtet und es gilt bisher immer noch der Tradition folgend der Grundsatz: Je höher man in der Hierarchie aufsteigt, desto weniger muss man arbeiten.) Das verträgt sich schlecht mit einem auf Effizienz ausgelegten System.
Wir unterstützen den Inspektor in diesen Anstrengungen sowohl mit Problemlösungstrategien, wie auch durch die Bereitstellung und Einführung von Arbeitsinstrumenten für die Erfassung und Verarbeitung von Daten, Formularvorlagen etc.

Der Weg zu einer strafferen Führung seines Schulkreises ist weit. Alle Afrikaner sind dabei im Clinch zwischen ihrer traditionellen Lebensweise und den Anforderungen an eine Organisationsform, wie sie in Industrieländern entwickelt wurde. So gerät ein Schulleiter plötzlich in den Bannkreis von Hexerei, wenn er die unentschuldigte Absenz eines Mitarbeiters mit unbezahltem Urlaub sanktionieren will, oder der Schulleiter hat - auf Grund seiner gewaltigen finanziellen Verpflichtungen in seiner Grossfamilie - Schulden bei einer Lehrkraft, die ihrerseits oft betrunken zum Dienst erscheint.

Unsere Arbeit ist im letzten halben Jahr viel erfreulicher geworden. Wir führten verschiedene breit angelegte Trainings für Lehrkräfte und Schulleiter in einem Grossteil der 31 Schulen des Schulkreises durch. Anschliessend besuchten wir die Lehrkräfte, um sie in der Umsetzung des Gelernten zu unterstützen. Dass wir über unsere Schulbesuche einen Bericht zuhanden des Schulleiters und Inspektors schreiben, verleiht unserer Arbeit in den Augen der Lehrpersonen einen viel höheren Stellenwert. Sie sind viel motivierter als früher, neue Elemente in ihren Unterricht aufzunehmen, machen dabei oft auch positive Erfahrungen. Eine Entwicklung ist nachweislich in Gang gekommen. Das wiederum schlägt sich sehr in unserer Motivation nieder! Wir bekommen den Eindruck, dass unsere Anstrengungen nicht nur geschätzt werden, sondern dass sie auch Früchte tragen.

 

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Juli 2008

Ein weiter Weg zu einer konsequenten Erziehung unter Einhaltung der Menschenrechte oder wie man die Mädchen zu Kurzhaarfrisuren zwingt.
Aufs Schuljahr 2007 hin hatte das Schoolboard von Leevi Hakusembe SSS (in der Schweiz die Schulpflege oder der Schulrat) beschlossen, den Mädchen Kurzhaarfrisuren vorzuschreiben. Man argumentierte, sie sollten sich aufs Lernen konzentrieren. Sie kamen daraufhin kurz geschoren oder wurden des Unterrichts verwiesen.
Die Einhaltung solcher Anordnungen muss immer wieder konsequent durchgesetzt werden. Dies geschah nach einem Jahr nicht mehr. Die Jugendlichen – immer auf der Suche nach Grenzen – begannen ihre Haare wieder wachsen zu lassen. Eine steigende Anzahl von Mädchen hatte wieder eine Freizeitbeschäftigung. Sie frisierten sich gegenseitig kunstvoll, wie es in Afrika üblich ist. (Aus unserer Sicht eine wunderbare Sache!)
Nach etwa einem halben Jahr, schritt der Schulleiter endlich ein. Er hielt die heraus geputzten “Missetäterinnen” in der Versammlungshalle zurück und befahl die Rückkehr zur Schulordnung. Unterdessen versammelten sich etwa 100 nicht betroffene Mädchen vor der Halle und stimmten – solidarisch mit den Betroffenen – einen Gesang an. Die nach des Schulleiters Ermahnung aus der Halle strömenden Mädchen fühlten sich gestärkt. Gemeinsam wollte frau auf der öffentlichen Strasse für seine Rechte demonstrieren. Das verschlossene Haupttor der Schule wurde kurzerhand gestürmt, der Protestgesang erreichte die Strasse und damit das dort zur Zeit arbeitende Heer von Strassenarbeitern. Nun kam wirklich Stimmung auf. Der Inspektor des Schulkreises wurde aufgeboten sowie auch die Polizei, welche mit acht Personen in Kampfanzügen anrückte.
Die Mädchen wurden ins Schulgelände zurückgedrängt, nochmals in die Versammlungshalle zitiert und über ein rechtmässiges Vorgehen (schriftliches Gesuch an das Schoolboard) informiert. Dann bekamen die weit über 100 Mädchen 30 Minuten Zeit, ihre Habseligkeiten aus dem Internat zu holen und die Schule zu verlassen. Dies mit der Aufforderung anderntags mit ihren Eltern zurück zu kehren und N$ 10 für das zerstörte Schloss am Haupttor mitzubringen.
Wenn man die Transportkosten (nach Rundu und zurück kostet es N$ 44) sowie die Länge der Wege bedenkt, ist das eine sehr drastische Massnahme. Viele Familien können dieses Geld kaum aufbringen. (Stundenlohnniveau in Rundu N$ 7; hier N$ 4!)
Den Eltern blieb nichts Anderes übrig, als der Aufforderung Folge zu leisten. Man gehorcht hier den Autoritäten in der Regel. Und so ist nun alles wieder “in Butter”. Doch es wird noch ein weiter Weg sein, bis die Verantwortlichen realisieren, dass solche Probleme “hausgemacht” sind. Würde das Schulpersonal täglich die Einhaltung der Schulregeln begleiten und durchsetzen, wären solche Ereignisse, die immer Opfer fordern, bestimmt zu vermeiden.
In solchen Situationen ist es für uns ganz heikel bis unmöglich, zu beraten oder unsere Sicht der Ereignisse einzubringen. Das wird sofort als arrogant empfunden und stösst dann auf Ablehnung.
Zudem stellen wir ständig wieder fest, dass Bilder aus den Zeiten der Apartheid – auch nach 18 Jahren Unabhängigkeit - fest in den Köpfen und Herzen der erwachsenen Menschen hier verankert sind. Zucht und Ordnung wird häufig mit ganz drakonischen Massnahmen durchgesetzt.
Es ist ein weiter Weg diese Erziehungsmittel zu ersetzen durch konsequente, liebende und Anteil nehmende Begleitung der Kinder und Jugendlichen auf ihrem Weg ins Erwachsenen-Leben.

Mai 2008

Erweiterung unseres Arbeitskreises

2008 übernahm ein neuer Inspektor unseren Schulkreis. Uns schien das ein günstiger Moment in Absprache mit unserem Schulleiter und der Interteam Koordination (Namibia), unsere Fühler in Richtung Inspektorat auszustrecken.

Bisher waren wir durch den Schulleiter unserer Schule angestellt, hatten aber auch die Aufgabe, mit Lehrkräften anderer Schulen zu arbeiten, die ebenfalls einen Schulleiter haben. Entsprechend war unser Einflussbereich begrenzt.

Der Inspektor, zuständig für 30 Schulen, war hoch erfreut über unser Angebot einer Zusammenarbeit. So konnten wir in seinem Auftrag, im ersten Halbjahr 2008 eine flächendeckende Weiterbildungsveranstaltung für alle Schulen unseres Schulkreises erarbeiten und durchführen. Im Anschluss daran besuchen wir alle Lehrkräfte, die daran teilgenommen haben. Dabei zeigen sie uns die Umsetzung des Erarbeiteten, wir beantworten Fragen, geben Tipps etc. Des Weiteren erstellen wir einen kurzen Beobachtungsbericht zu Handen des Inspektors und des entsprechenden Schulleiters. Wir haben den Eindruck mit dieser Umstellung eine deutlich höhere Verbindlichkeit für die Lehrkräfte zu erreichen und hoffen, dass unsere Arbeit eine grössere Breitenwirkung erzielt.

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Besuch in einer San Siedlung

Kürzlich besuchten wir eine San Siedlung in der seit vier Jahren ein Projekt besteht, das den Einwohnern ein Einkommen sichern soll. Die äusserst freundlichen Menschen zeigten uns einerseits ihr Dorf in dem sie heute leben, in dem es eine Schule gibt wie in jedem anderen namibischen Ort, in dem sie auch nicht mehr als Volksgruppe alleine leben, sondern Zuzug von Angehörigen anderer Stämme erhalten haben.

Andererseits machten wir mit je zwei San Männern und Frauen einen Rundgang durch die Umgebung des Dorfes. Sie sammelten einige Pflanzen und Früchte, bauten eine Falle für Rebhühner, führten uns zu ihren traditionellen Behausungen (eine Art Rundhütte die mit Gras bedeckt wird) und machten nur mit Holz und Gras Feuer.

Die San (Buschleute) gelten als die älteste heute noch ansässige Bevölkerungsgruppe Namibias. Sie wurden durch Bantustämme in die Wüsten und deren Randgebiete abgedrängt und haben ihre Lebensweise als Jäger und Sammler entsprechend an die dort vorherrschenden klimatischen Bedingungen angepasst.

Sie zeigten uns Pflanzen, die sie verzehren ("Buschkartoffeln"), einen kleinen Busch, aus dessen melonenartiger Wurzel sie Flüssigkeit gewinnen, Harz sowie Beeren und Nüsse, die sie essen. Wir gewannen den Eindruck, dass sie auf ihren Streifzügen ständig essen, was sie gerade finden. Was nicht direkt verzehrt wird, nehmen sie mit.

Beeindruckt hat uns auch der Spagat zwischen der traditionellen Lebensform und dem modernen Leben. Unser Führer sprach recht gut English, legte ein ausgesprochen professionelles Verhalten als Führer an den Tag und kannte sich dennoch auch mit den alten Bräuchen aus.

Diese Menschen wurden und werden innerhalb eines Jahrhunderts aus der Steinzeit, wo sie im Einklang mit der Natur lebten in die Moderne katapultiert. Das westliche Leben stellt riesige Anforderungen und sie sind -wie wir auch - noch weit entfernt davon, auf die vielen Herausforderungen Antworten (Abfallproblem, Umgang mit den knapper werdenden Ressourcen, Verbreitung von Seuchen durch die viel grössere Mobilität, HIV/AIDS etc.)   gefunden zu haben.

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Reisen durchs Damaraland und Kaokoveld

Im Dezember fuhren wir in den Westen und Nordwesten Namibias, besuchten Erongogebirge, Brandberg und Spitzkoppe, durchfuhren Teile des Ugab - Rivers, eines Flusses, der die meiste Zeit des Jahres kein Wasser führt. Von dort führte unser Weg durch sehr einsames Gebiet am Doros Krater vorbei nach Twyfelfontein. In dieser Gegend sollen Nashörner und Leoparden leben, denen wir aber - leider oder gottseidank? - nicht begegneten.

Durch das Tal des Hoanib (ein entlegenes Trockenflusstal) und über Wüsten-Hochebenen erreichten wir Puros, von wo die Reise über das Tal des Hoarusib und des Khumib über Orupembe bis zum Marienfluss führte. Dem entlang zogen wir nordwärts zwischen den Hartmann- und den Otjihipa Bergen bis an den Kunene (führt ganzjährig Wasser), also bis an die angolanische Grenze.

Wenn wir hier immer von Flüssen schreiben, stellt man sich Wasser vor. Das ist aber meist falsch. Die Flusstäler sind in der Regel trocken und führen nur ganz selten nach grossen Regenfällen Wasser. Aufgrund des erhöhten Grundwasserspiegels wachsen dort aber Bäume und Büsche, so dass die Trockenflüsse ein grünes Band durch die Wüstenlandschaft ziehen.

In diesen Tagen waren wir nie mehr richtig in der Zivilisation, begegneten Wüstenelefanten, einsamen Giraffen, einem frischen Leoparden Riss und vielen verschiedenen Antilopen.

Wir hatten Glück und abgesehen von ein paar platten Reifen keine grösseren Pannen. Mittlerweile können wir gewisse Löcher in Reifen sogar selber reparieren. Zudem sind wir immer mit zwei Reserverädern unterwegs und der Reifenwechsel geht uns auch schon flott von der Hand...

Im April besuchten wir nochmals den Westen und konnten zum Beispiel im Tal des Hoanib Spuren der Furcht erregenden Kraft des Wassers sehen, das während der Regenzeit viel Schwemmgut durch die bereits wieder trockenen Flusstäler geführt hatte. Zusätzlich zu den bereits bekannten Gebieten durchfuhren wir auch noch das Tal des Kuiseb und die Khowarib Schlucht. Auch diese Landschaft beeindruckte uns tief! (Siehe Fotogalerie Damaraland und Kaokoveld).

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Wer mehr erfahren will:

Hier geht's zum Rückblick 2006

Hier geht's zum Rückblick 2007


Die Mädchen rotten sich zusammen und beraten was zu tun sei.
Frau hat sich Richtung Ausgangstor in Bewegung gesetzt und ist vor dem
verschlossenen Tor etwas ratlos - so auch der Sicherheitsmann am Tor.
No hair, No school, No means No
Hier haben die jungen Frauen kurzerhand das mit einem Vorhängeschloss versehene Tor aufgerammt und verlassen das Schulgelände in Richtung Strasse.
Die Mädchen frisieren sich gegenseitig indem sie in regelmässigen Abständen Harbüschel mit Faden umwickeln und dann abbinden.


Auf einem Bett aus trockenem Gras wird ein härter Holzstab mit etwas Sand in der Kuhle eines weicheren Holzstabs so lange gedrillt, bis dieses glimmt.Das glimmende Sägemehl wird im trockenen Gras angeblasen bis das Gras glimmt. Dieses wird dann unter feines dürres Holz gelegt.
Durch dicke Grashalme werden natürliche Wasserdepots genutzt.
Höhlen in Bäumen bieten nach SchlangencheckTarnung und Unterschlupf.

Mittels eines Grabstocks werden Wurzeln ausgegraben. Sie enthalten viel Wasser und werden auf einer sauberen Unterlage aus Blättern in kleine Stücke geraspelt, die dann ausgedrückt werden können

topinterteam