Reisebericht 4 (Tansania - Sambia - Namibia) 5.7.09  

Mwanza (am Viktoriasee) - Serengeti & Ngorongoro - Usambara Berge - Pangani (bei Tanga am inidschen Ozean) - Dar Es Salam - Kilwa - Mtwara - Ndanda - Tunduru - Songea - Mbeya (zum zweiten Mal) - Tunduma - Mpulungu (in Nord - Sambia am Tanganyikasee) -   Shiva Ngandu und Kapisha Hot Springs - Lusaka - Livingstone - Divundu - Rundu

Karibu oder wie wir in Tansania überall willkommen geheissen wurden

Mit einem Biskuit vor der Nase, der Sonnenabdeckung für die Windschutzscheibe auf dem Rücken und dem Kommando "warte" ging alles reibungslos. Unser Reisegefährte passierte ungesehen jeden Kontrollposten der tansanischen Nationalparks "Serengeti" und "Ngorongoro".

Auf der rund 300 km langen Strecke mussten wir immer wieder schlammige Passagen bewältigen, in denen wir selbst in unserem guten 4x4 Fahrzeug mit genügend Bodenfreiheit die Luft anhielten. Unsere Stossgebete wurden immer erhört.

Die Serengeti - wer erinnert sich nicht an Bernhard Grizmeks Fernsehsendung "Serengeti darf nicht sterben" - kann sicherlich als die Mutter aller afrikanischen Tierreservate bezeichnet werden. Wir sahen nur schon beim Transit innerhalb eines Tages unzählige Tiere. Besonders eindrücklich waren riesige Weissbartgnu- und Zebraherden mit tausenden von Tieren auf ihrer jährlichen Wanderung zu neuen Weidegründen, eine Typfelhyäne direkt am Strassenrand, viele Giraffen, Büffel, jede Menge verschiedenster Antilopen und zwei Löwen, die dickbauchig im Geäst eines Baumes liegend   versuchten, ein offensichtlich opulentes Mal zu verdauen. Wir durchfuhren an diesem einen Tag sehr vielfältige Landschaftsformen von der Trockensavanne bis zum tropischen Regenwald.

Da Tansania versucht über saftige Gebühren für die Nationalparks (US$ 280 für einen Tag im ausländischen Privatfahrzeug) seine Staatskasse aufzubessern - oder vielleicht auch die Finanzlage einzelner hoher Beamter zu verbessern, verzichteten wir darauf für   zusätzliche US$ 140 auch noch in den Ngorongoro Krater hinunter zu fahren. Der erloschene Vulkan mit 20 km Durchmesser bietet offenbar einer der letzten grossen afrikanischen Nashornpopulationen Lebensraum.

Die Städte Arusha und Moshi, von denen aus man die beiden Kultberge Mount Meru beziehungsweise Mount Kilimanjaro besteigt, durchfuhren wir nur, da sehr touristisch. Zudem zierten sich beide Berge und versteckten ihr Antlitz unter einer dicken Wolkenmütze. Mehr Glück hatten wir in Lushoto in den Usumbarabergen, wo wir auf etwa 1500 müM, direkt auf der Klippe mit Sicht auf die etwa 1000 m tiefer gelegene Ebene zwei wunderbare Tage verbrachten. "Mama Tatu", eine 35 jährige Tansanierin, bekochte uns fürstlich und erzählte viel über Tansania.

Unsere nächste Station lag dann bereits direkt am Indischen Ozean auf Pagani, einer Halbinsel südlich Tanga. Während wir abends in Lushoto noch eine Faserpelz anzogen, mussten wir hier nachts alle Luken des Dachzelts aufmachen, um die Wärme zu ertragen. Ein Regentag am Strand, mit wunderbarem, selbst gekochten Papageienfisch zum Nachtmahl war eigentlich nicht genug. Doch wir wollten weiter, da wir hofften, in Südwesttansania den Grenzfluss zu Mosambik, den Rovuma überqueren zu können. Über zwei Stationen (Dar Es Salam und Kilwa)   erreichten wir Mtwara, wo wir Franziska und Roger, zwei Interteamler besuchten. Dabei hatten wir Glück im Unglück. Silvia fühlte sich auf der Fahrt nach Kilwa ganz elend, war von Übelkeit und Kopfschmerzen geplagt, während Friedwart sich wohl fühlte. Wir hatten in den vorangegangenen Tagen immer das gleiche gegessen und konnten somit eine Magendarm-Infektion eigentlich ausschliessen.

Da wir bezüglich Malaria unsicher waren, machte Roger uns Kontakt zu einer benediktischen Krankenstation. Die leitende deutsche Nonne, Sr. Amabilis, die schon seit 40 Jahren in Tansania lebt, verhalf uns dann zu einem Malaria Bluttest und riet uns, unser mitgeführtes Notfallmedikament zu schlucken. Der Test lieferte am nächsten Morgen ein negatives Resultat, doch Silvia fühlte sich bereits sehr viel wohler. So war es denn wohl so, dass sie bereits mit relativ wenig Parasiten im Blut recht starke Symptome entwickelt hatte. Später hörten wir von einer Schweizer Ärztin, dass die mikroskopische Auszählung bei einer Ersterkrankung mit starken Symptomen oft nur ganz wenig Parasiten ergäbe, während bei Menschen, die schon mehrmals Malaria gehabt hätten, oft eine bis zu zehnfache Parasitenmenge nachgewiesen werden könne.

Wir waren froh, dass Silvia sich in der Folge rasch erholte. So konnten wir trotz feuchtwarmem Klima auch die vier Tage geniessen, in denen wir in einem benediktinischen Gästehaus direkt am   Strand wohnten und uns immer wieder mit Franziska und   Roger trafen, den lebhaften Fischmarkt besuchten und uns einmal mehr an frischem Thun- und Papageienfisch erfreuen konnten.

Unsere Rückreise nach Namibia wünschten wir uns eigentlich durch Mosambik, Zimbabwe und Botswana. Nur, wie und wo ist der Rovuma River zu überqueren um nach Mosambik einzureisen? Die Fähre, welche die beiden Länder bisher verband, ist dummerweise vor einem halben Jahr gesunken und nicht wieder zu neuem Leben erweckt worden. Die weiter inland liegende, nigelnagelneue Unity Bridge erschien zunächst als Alternative, doch hörten wir lauter skurile Geschichten darüber. Dann hätte es auch noch die Möglichkeit gegeben, auf vier zusammengebundenen Einbäumen überzusetzen. Das hätte sicher Spass gemacht und unser rund 3t schweres Fahrzeug hätte auf einer solch improvisierten Fähre zweifellos spassig ausgesehen. Nur, der Spass hätte je nach Verhandlungsgeschick zwischen US$ 200 und US$ 400 gekostet ohne Gewähr, dass man das gegenüberliegende Ufer tatsächlich erreicht.

Vielen Dank, lieber ohne uns!

Kurz bevor wir zur Unity Brücke aufbrechen wollten, um die sich darum rankenden Geschichten sowie eine mögliche Überquerung eigenhändig zu überprüfen, informierten uns südafrikanische Reisende, dass auch diese Möglichkeit definitiv nicht in Frage käme: Die Brücke ist zwar fertig, doch auf der mosambikianischen Seite führe (noch) keine Rampe an das Bauwerk heran...

Nun gut, über den Rovuma River, der die Grenze auf mehreren hundert km bildet, führt offensichtlich weder Weg noch Steg! Uns blieb nichts anderes übrig, als den Fluss "grossräumig" zu umfahren und unsere Reiseroute wohl oder übel zu ändern. Statt Mosambik steuerten wir nun den Norden Sambias an.

Unsere neue Reiseroute ermöglichte es uns dafür, zwei weitere für Interteam im Einsatz stehende Familien auf der Missionsstation in Ndanda zu besuchen.

Es ist sehr eindrücklich, wie nachhaltig die missionierenden benediktinischen Nonnen & Mönche an ihren verschiedenen Standorten in Tansania einen gewaltigen Beitrag an die Gesundheitsversorgung des Landes leisten. Die Infrastruktur, die medizinische Versorgung der Patienten, die Ausbildung von Pflegepersonal, die Selbstversorgung mit Butter, Brot, Käse, sauberem Trinkwasser etc. ist für afrikansische Verhältnisse erstklassig und beeindruckte uns sehr. Dabei bleibt die Frage offen, was geschähe, wenn der personelle und finanzielle Nachschub aus dem Ausland Europa, Indien und anderen Ländern, die Freiwillige entsenden einmal ausbliebe?

In Tansania haben uns immer wieder die grosse Freundlichkeit   und Offenheit der Menschen beeindruckt. Nirgends vorher fühlten wir uns so willkommen und auch so sicher. Trotz sprachlicher Barrieren - wenige Menschen sprechen neben Kiswahili auch noch einigermassen Englisch - fanden wir immer wieder sehr nette und hilfsbereite Leute, die uns bei der Ankunft und beim Abschied mit ihrem "karibu" willkommen hiessen.

Noch ein kleines Müsterchen afrikanischer Bürokratie und gegenseitigen Misstrauens gefällig?:

Nach 30 Tagen in Tansania mussten wir die provisorische Einfuhrbewilligung fürs Auto verlängern. Wir suchten also das bereits erspähte Gebäude mit der Aufschrift "Tanzanian Revenue Authority" auf, fanden dort auch einen netten Herrn, der uns mit einem Formular bewaffnet zu einer Bank schickte, wo wir US$ 20 einzuzahlen hatten. Nun gut, anstehen, Geld abladen, Papiere mit "Bezahlt" gestempelt bekommen.

Nächste Station war das Zollbüro am Hafen, wo wir diesen Einzahlungsbeleg vorlegen sollten und unsere Bewilligung verlängert würde. Nur, wo bitte schön welcher Hafen? Dort wo die lokalen Fischer hereinkamen oder wo? Nach einer Irrfahrt und einiger Palaver mit mehreren hilfsbereiten Leuten fanden wir schliesslich das Zollbüro. Die Dame dort füllte ein weiteres Formular aus, und schickte uns - wir hatten es befürchtet - zur (gleichen) Bank, um US$ 5.- Schreibgebühr zu berappen. Auf Grund dieses Zahlungsbelegs würde sie dann die Einfuhrbewilligung verlängern.

Nach mehreren Stunden war das Kunststück vollbracht. Friedwart war reif für die Insel und Silvia fürs Mittagessen!

Anzumerken ist, dass afrikanische Beamte in der Regel kein Geld entgegennehmen   dürfen, da sie es ja veruntreuen könnten. Der Zeitaufwand und die Mühe des "Kunden" spielen keine Rolle, denn Zeit hat man ja in Afrika jede Menge und wer etwas vom Staat will, hat dankbar zu sein, wenn er es - nach wieviel Mühsal auch immer - bekommt. Denn schliesslich ist der Staat nicht für die Menschen da sondern umgekehrt. Es erinnert daran, was man dereinst in der Schule über feudale Herrschaft in Europa lernen musste... <<L'etat c'est moi>> lässt grüssen.

Von Ndanda aus brachten uns drei Fahrtage über die tansanisch - sambische Grenze zum Südufer des Tanganyikasees. Hier genossen wir als einzige Gäste eines Campingplatzes direkt am Strand nochmals die wunderbare Wärme Äquatorialafrikas, das saubere Wasser, die Ruhe und die Abgeschiedenheit. 'Sein', einfach nur 'sein', war die Devise. Wir verbrachten die Tage mit Lesen, Dösen, auf den gitzerneden See blinzeln, den Fischern nachwinken und gutem Essen.

Am zweiten Morgen hörten wir ein lautes Rascheln im Laub. Der Manager des Camps, der gerade zu einem Schwatz bei uns war, meinte es sei ein Waran. Friedwart sah in der Folge auch mehrmals einen dicken, dunklen Schwanz   zwischen den Steinen verschwinden und stocherte sogar neugierig mit einem Stöckchen im Loch herum. Nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Weg zur Dusche raschelte es plötzlich wieder unüberhörbar. Im Schein der Stirnlampe sah sich Friedwart statt dem erwarteten Waran einer schwarzen Kobra gegenüber! Nur zwei Meter trennten ihn von der etwa 1.2 m langen Schlange, die aufgerichtet bereits ihren weisslichen Schild zum Angriff blähte. Friedwart blieb stehen, machte langsam einen Schritt rückwärts und hoffte, dass sich die Schlange aus dem Staub machen würde, was sie nach zwei endlos erscheinenden Minuten auch tat. Glück gehabt!

Einmal mehr waren wir froh darüber, wie wunderbar die Natur es doch eingerichtet hat. Diese giftigen Tiere stellen den Menschen ja nicht nach, sondern gehen uns wo immer möglich aus dem Weg - so lange sie einen nicht als mögliche Beute identifizieren.

Als mögliche Beute identifizierte uns einige Tage später aber ein sambischer Polizist, der uns an einer Strassensperre nach unserem Pannendreieck fragte. Das dienstfertig hervorgekramte brandneue Objekt hielt den sambischen Anforderungen aber nicht stand. In diesem Land muss ein Auto wie unseres zwei Dreiecke mitführen! Friedwarts Lamentieren half nichts, wir mussten in ein nahe gelegenes Polizeiquartier, um die Busse zu begleichen. Dort fragen wir nach dem entsprechenden Gesetzespassus, der uns unsere Verkehrssünde beweisen könne. Doch leider lagen weder Gesetzbuch noch entsprechende offizielle Dokumente vor. Und jetzt?

Der Gesetzeshüter blieb höflich, korrekt und verständnisvoll und erliess uns zu guter Letzt die Busse.

Als letzten Leckerbissen auf unserer Reise besuchten wir "Shiva Ngandu", ein vom britischen Adeligen, Stewart Gore-Browne, in den 1920iger Jahren mitten im Busch erbautes englisches Gutshaus. (Vgl. die Bücher: "Black Heart" und "The Africa House") Wir campierten bei den nahe gelegenen heissen Quellen von Kapisha, genossen nächtliche Bäder und waren beeindruckt, wie zwei Enkel von Gore-Browne auf ganz unterschiedliche Weise "den Traum eines anderen leben". Der Gründer hatte zeitlebens Mühe, seine zeitweise bis zu 1000 Angestelle beschäftigende Farm selbsttragend zu führen, während sein Enkel Charly Harvey zusammen mit seiner Frau heute den Farmbetrieb und ein im Gutshaus untergebrachtes Nobelhotel in eine "cash cow " verwandeln konnte. Dahingegen träumt Mike Harvey in seiner Lodge in Kapisha Hot Springs immer noch davon, seinen Betrieb definitiv in die Gewinnzone zu führen. Wir nehmen mit, dass das erfolgreiche Führen eines Betriebes in diesen Breitengraden ganz spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten erfordert, die längst nicht allen (Weissen) gegeben sind.

Auf unserer 1500 km langen Rückfahrt nach Namibia konnten wir dann nochmals erleben, wie riesig all die Länder des südlichen Afrika sind. Wieder am Okovango angekommen, beendeten wir unsere Reise fast am gleichen Ort, wo wir sie knapp drei Monate zuvor begonnen hatten. Wir genossen das Leben am Fluss nochmals! Morgens weckten uns die Hähne der umliegenden Dörfer und noch eingekuschelt unter warmen Decken hörten wir dem vielstimmigen Krächzen und Zwitschern der Vögel, dem Rufen von Fischadlern und dem Trompeten von Elefanten zu. Abends "sangen" uns die Flusspferde in den Schlaf. In diesen zwei Tagen, bei angenehmen 25°C tagsüber und wenigen Graden über den Gefrierpunkt nachts (afrikanischen Winternächte sind kalt, brr), konnten wir nochmals erleben, wie hier alles von Extremen geprägt ist: Schönheit der Natur und Gefahren, Armut und Reichtum, moderne, westlich ausgerichtete und traditionelle Lebensweise, Aufgeklärtheit und der vieles bestimmende Glaube an Zauberei; Freundlichkeit der Menschen und Rassismus von beiden Seiten; Hunger und Überfluss; Trockenwüsten und Feuchtlandschaften....

Bei unserem Abschied tritt alles wie unter dem Vergrösserungsglas hervor!

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Wer mehr erfahren will:

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Weitere Fotos finden sich auf unseren Fotoseiten

Afrikanischer Büffel

 

Pavian

 

Weissbartgnu

 

Tüpfelhyäne

 

Junger Massai

 

Massai

 

Mama Tatu raspelt Kokosfleisch - mh..

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Lushoto in den Usumbarabergen

 

Silvia und Miro in Pagani am Indischen Ozean

 

Alle drei machen wir Ferien

 

Nachdem es den Fahrradfahrer im tiefen Sand überschlagen hatte, half Friedwart das Velo wieder etwas zu richten

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Welch Gehörn

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Nach intensiven Verhandlungen kauft Silvia die Cashews und beide sind glücklich

 

Abendstimmung am Tanganyikasee

 

Auch Abendstimmung am Tanganyikasee

 

In England? Nein dies ist Shiva Ngandu

 

Dampftraktor

 

Auf Shiva Ngandus Grabhügel mit Aussicht auf den See, der Stewart Gordon-Browne so angezogen hatte

topinterteam