Reisebericht 3 (Malawi - Tansania) 29.5.09  

Cape Maclear - Lilongwe zum zweiten - Nkhata Bay - Livingstonia Mission - Mbeya (Tansania) - Sumbawanga - Tanganyikasee - Mwanza (am Viktoriasee)

Wir schreiben den Anfang dieses Berichtes direkt am Ufer des Tanganyika Sees auf dem Gelände der Katholischen Mission Kipili und fühlen uns dem Paradies sehr nah - nicht   (nur) wegen der Missionsstation sondern wegen der wunderbaren Lage am See!

Vom Malawisee aus führte unser Weg nochmals in die Hauptstadt des Landes, da wir von anderen Reisenden gehört hatten, dass es bei manchen Grenzübergängen nach Mosambik viel einfacher sei, wenn man bereits ein Visum habe. Auf der Botschaft war es denn auch gar kein Problem, ein Visum zu erhalten. Mit diesem in der Tasche machten wir uns denn getrost auf den Weg Richtung Norden und Tansania.

Nkhata Bay gehört auf die Liste des Malawi Touristen, bot uns einige reizvolle Ausblicke auf den See, war aber ansonsten sehr touristisch und mehr eine Destination für die junge Backpacker Gemeinschaft, die nach dem ersten Bier einen Umgang miteinander pflegt, als hätten sie schon gemeinsam den Kindergarten besucht.

Danach zog es uns in die Berge zur sehr bekannten Livingstonia Mission. Hier gründeten irische Mönche Anfangs des 20. JH eine grosse und eindrückliche Missionsstation, mit angegliedertem Krankenhaus, Schule, Berufsausbildungsstätten und Universität. Sie bauten auch eine grosse Kirche im europäischen Stil. In der Zeit der Unruhen um die Unabhängigkeit Malawis   in den 1960iger Jahren übermittelten europäische und schwarze Geistliche sowie anderes Personal der Welt die Botschaft, dass die Weissen nicht evakuiert werden müssten, da man über die Rassengrenzen hinweg zusammen halte. Heute ist die Mission komplett in malawischen Händen und es stimmt nachdenklich, wie nun der Zahn der Zeit bez. allgegenwärtige Nachlässigkeit an dem einst mit viel Mühe und Entbehrungen Aufgebauten nagt.

Zurück am Malawisee begann dann eine eher unattraktive Phase unserer Reise. Wir fanden keine schöne Campinggelegenheit mehr und der Grenzübertritt nach Tansania kostete uns fast einen ganzen Tag. Dann erregten wir bei unseren Verhandlungen mit Schwarzmarkt - Geldwechslern soviel Aufsehen, dass zuerst eine tansanische Polizistin und dann auch noch ein malawischer Polizist sehr besorgt um unser Wohlergehen bei uns auftauchten und uns letztlich überzeugten, bei einer offiziellen Wechselstube zu tauschen. Bis hierher war der Übertritt einfach. Doch dann kamen die tansanischen Einfuhrformalitäten für unser Auto. Zuerst waren Formulare in nicht weniger als vierfacher Ausführung auszufüllen. Dann mussten wir in einem weit entfernten Fotokopierladen die namibischen Autopapiere kopieren lassen. Nun wäre nur noch die Unterschrift eines höheren Zollbeamten nötig gewesen, doch der war zufällig gerade abwesend... Als wir seine Unterschrift endlich hatten, musste nur noch das Kunststück vollbracht werden, alles an einem weiteren Kontrollposten eintragen und nochmals abstempeln zu lassen. Erst jetzt waren wir berechtigt in Verhandlungen mit einem Versicherungsagenten einzusteigen. Dieses letzte absolut verpflichtende Geschäft konnten wir gerade eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit abschliessen. Uff!

Wie viel Mühen uns die Einfuhr unseres vierbeinigen Reisegefährten kostete, ist nochmals eine andere Geschichte. Beinahe hätten wir ihn an der Grenze stehen lassen müssen, was - man kann es ich denken - ausser Diskussion stand.

Durch sehr schönes mit Bananenhainen bestandenes Bergland gelangten wir erst nach Einbruch der Dunkelheit   nach Mbeya, das gut 100 km von der Grenze entfernt liegt.

In einer einfachen Unterkunft bekamen wir von anderen Afrikareisenden Informationen über den Tanganyikasee und allfällige Tücken auf der Strecke bis nach Mwanza. Wir beschlossen die Route zu wagen. In unserer ersten Zwischenstation Sumbawanga blieben wir ungewollt länger hängen als geplant, weil eine starke Erkältung und Bronchitis uns im nicht gerade attraktiven Zimmer eines einfachen Gästehauses flachlegte. Kaum wieder einigermassen auf dem Damm, reisten wir weiter an den See und waren von diesem Etappenziel definitiv mehr begeistert.   Wir verbrachten vier wunderbare Tage bei zwei Benediktinermönchen in Kipili auf der katholischen Mission, direkt am Seeufer.   Der glasklare See lud zum Bade, die wunderbare Aussicht zum Verweilen und ein Tagesausflug mit einem Schiff ins wenig weiter nördlich gelegene Kirando mit farbenprächtigem Markt lässt viele Bilder in uns zurück. Endgültig wieder fit fuhren wir über Mpanda und Uvinza nach Kigoma, das wiederum am See liegt. Der Zustand der Sand-,   Schlamm- und Staubpiste erlaubte Tagesetappen von nicht mehr als 300 km. Dabei war die Strecke Mpanda - Uvinza ein Höllenritt mit unzähligen Schlaglöchern. Oft nur im Schritttempo zuckelten wir mühevoll über Stock und Stein.

Wenig ausserhalb von Kigoma fanden wir zur Belohnung aber ein wunderbares Plätzchen am See und konnten uns von den Strapazen erholen.

Ein Tagesausflug führte uns in den Gombe Stream National Park, wo Jane Goodall in den 1960iger Jahren ihre weltberühmten Schimpansen Forschungen begann. Eine Schimpansengruppe von etwa 60 Tieren ist an Besuche durch Menschen gewohnt. Von dieser Gruppe sahen wir auf einem gut dreistündigen Marsch mit einem einheimischen Führer acht Tiere. Auch wenn wir den Schimpansen nicht die Hand schütteln konnten, so waren die Begegnungen und der Blickkontakt mit einzelnen Tieren eindrücklich und berührend.

Auf unserer Fahrt nordwärts waren wir mit einem ranghohen Sicherheitsbeamten der UN-Tansania ins Gespräch gekommen. Wir trafen ihn zweimal und er beschrieb uns die Sicherheitsrisiken unserer Strecke, so dass wir zwar etwas angespannt aber doch gut vorbereitet nach einigen Tagen die Weiterreise entlang der Grenze zu Burundi in Angriff nahmen. Es hat in diesem Gebiet seit den 1970igern Flüchtlingslager, die immer wieder Menschen aus den kriegsgeschüttelten Nachbarländern (Demokratische Republik Kongo, Burundi und Ruanda) aufnahmen. Das destabilisiert die ganze Region und schafft Sicherheitsrisiken, welche Tansania bis heute nicht verlässlich kontrollieren kann. Dadurch gibt es   auf den ersten rund 200 km unserer Strecke zwischen Kizulu und Kipondo noch heute immer wieder Überfälle. Mit im Auto tief vergrabenen Wertsachen und gegenseitig zugesprochenem Mut fuhren wir durch das unsichere Gebiet hindurch. Viermal sichteten wir einen "Roadblock", was jeweils im einsamem Gelände doch für ziemliche Aufregung bei uns sorgte. Oh weh oh weh, Banditen oder Polizisten? Aus Distanz zunächst nicht ganz zweifelsfrei feststellbar... Doch wir hatten Glück und trafen nur die willkommene, uns beruhigende Spezies an.

Über Geita trafen wir nach einem weiteren Fahrtag wohlbehalten in Mwanza am Viktoriasee ein. Hier, wie in ganz Tansania, herrscht ein buntes Treiben. Auf dem Markt wimmelt es, Kleinhändler bieten an jeder Strassenecke ihre Waren an und die fremden Gerüche sind ebenso vielfältig wie die verschiedenen Religionen - der muslimische Einfluss in Tansanias Norden ist augenfällig. Anscheinend leben Muslime, Christen und Hindus aber friedlich zusammen. Viele Geschäfte, Restaurants und Hotels sind - wie in Sambia und Malawi auch - in indischer Hand.

Mwanza ist auch ein Interteam Stützpunkt und so konnten wir verschiedene, sehr interessante Kontakte knüpfen, das Auto warten lassen und unsere Vorräte wieder aufstocken.

Als nächstes wollen wir versuchen, Miro durch die Serengeti zu "schmuggeln". Davon mehr im nächsten Reisebericht.

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